Wer eine ZFA sucht, hört im Gespräch immer öfter dieselbe Frage: Wie sieht es mit der Arbeitszeit aus? Gehalt und Team zählen weiter. Doch freie Tage gewinnen an Gewicht. Für Inhaber*innen im Dentalbereich stellt sich damit eine praktische Frage. Lässt sich eine Vier-Tage-Woche organisieren, ohne dass der Praxisbetrieb leidet? Dieser Beitrag zeigt, was Studien sagen, welche Modelle es gibt und was das Arbeitszeitgesetz erlaubt.
Warum Arbeitszeit zum Wettbewerbsvorteil wird
Der Personalmangel in der Zahnmedizin ist belegt. Die Bundesagentur für Arbeit führte den Beruf der ZFA in ihrer Engpassanalyse vom Mai 2023 als Beruf mit erkennbarem Personalmangel. Praxen konkurrieren deshalb um dieselben Fachkräfte. Beim Gehalt liegen viele Zahnarztpraxen nah beieinander. Die Arbeitszeit setzt dagegen ein deutlicheres Signal. Mehr dazu, wie sich Verdienste entwickeln, lesen Sie in unserem Beitrag zum Gehalt in der Zahnmedizin 2026.
Auch Stellenanzeigen zeigen den Trend. In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit werben Praxen bereits mit einer Vier-Tage-Woche von Montag bis Donnerstag, zum Beispiel in Ergolding und Duisburg. Eine Frankfurter Praxis schreibt 20 bis 36 Stunden bei vier Arbeitstagen aus. Ein Zahnarzt aus Sachsen erklärte schon 2023 in den zm, dass fast sein ganzes Team nur an vier Tagen arbeitet. Die Praxis ist trotzdem an fünf Tagen geöffnet.

Was Studien zur Vier-Tage-Woche zeigen
Die Daten stammen nicht aus dem Dentalbereich. Sie geben aber Hinweise. In Großbritannien testeten 2022 insgesamt 61 Unternehmen mit rund 2.900 Beschäftigten die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohn. Danach führten 56 Betriebe das Modell weiter, 18 davon dauerhaft. Forschende der Universität Cambridge und des Boston College begleiteten den Versuch.
In Deutschland lief 2024 ein Pilotprojekt mit 45 Organisationen über sechs Monate. Die Universität Münster wertete es aus. Laut Pressemitteilung stieg die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden signifikant.
Wichtig ist die Einordnung. Die Betriebe nahmen freiwillig teil, die Ergebnisse sind daher nicht repräsentativ. Außerdem kürzten viele Firmen ihre Arbeitszeit um weniger als 20 Prozent. Eine Zahnarztpraxis hat feste Behandlungszeiten und Patient*innentermine. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht eins zu eins übertragen.
Welche Arbeitszeitmodelle in der Zahnarztpraxis funktionieren
Vier-Tage-Woche ist nicht gleich Vier-Tage-Woche. In der Praxis kommen drei Varianten vor:
- Komprimierte Woche: Die Wochenstunden bleiben gleich, verteilt auf vier Tage mit je zehn Stunden. Das Gehalt ändert sich nicht, die Belastung pro Tag steigt.
- Teilzeit an vier Tagen: Die Stunden sinken, etwa auf 32 pro Woche. Für viele Teilzeitkräfte ist das ohnehin Alltag, deshalb gelingt der Einstieg hier am einfachsten.
- Gestaffelte Teams: Jede*r hat einen festen freien Tag, die Praxis bleibt an fünf Tagen offen. So arbeitet die sächsische Praxis aus dem zm-Interview.
Rechnerisch steigen die freien Tage bei vier statt fünf Arbeitstagen von zwei auf drei. Die zm beziffern das als Freizeitgewinn von 50 Prozent. Ergänzend können Gleitzeit, Schichtmodelle oder feste freie Nachmittage helfen. Wie flexible Zeiten die Bindung stärken, zeigt unser Beitrag Bleiben statt Weiterziehen.

Was das Arbeitszeitgesetz erlaubt
Nach § 3 Arbeitszeitgesetz beträgt die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden. Zehn Stunden sind nur zulässig, wenn im Schnitt über sechs Kalendermonate oder 24 Wochen acht Stunden pro Werktag nicht überschritten werden. Dazu kommen Pausen: mindestens 30 Minuten ab sechs Stunden und 45 Minuten ab neun Stunden. Zwischen zwei Arbeitstagen müssen elf Stunden Ruhezeit liegen.
Ob Sie ein Modell einseitig einführen dürfen, hängt vom Arbeitsvertrag ab. Die zm weisen zudem auf das Nachweisgesetz hin. Lassen Sie Änderungen deshalb vorab rechtlich prüfen, etwa über Ihre Zahnärztekammer oder eine Fachanwältin.
Chancen und Risiken im Überblick
Für das Modell sprechen mehrere Punkte:
- Die Arbeitgebermarke wird sichtbarer. Der Zahnarzt aus Sachsen sieht darin einen klaren Wettbewerbsvorteil.
- Fachkräfte bleiben länger, weil mehr Erholung möglich ist.
- Eltern und Wiedereinsteiger*innen lassen sich leichter gewinnen.
Dem stehen Risiken gegenüber:
- Dienstplan und Patientenempfang werden komplexer. Genau das nennt der Zahnarzt aus Sachsen als größte Herausforderung.
- Zehnstündige Behandlungstage fordern Konzentration und Rücken.
- Bei Krankheit fehlt die Vertretung schneller.
- Praxisberater Handrock rät in den zm, zuerst die Abläufe zu straffen.
Eine gesunde Belastung hängt eng mit der Arbeitszeit zusammen. Dazu passt unser Beitrag zur Mitarbeitergesundheit in der Zahnarztpraxis.
Was die Umstellung wirtschaftlich bedeutet
Weniger Arbeitstage heißen nicht automatisch weniger Umsatz. Entscheidend ist, wie viele Stuhlzeiten pro Woche besetzt bleiben. Sinken die Stunden einzelner Mitarbeiter*innen, braucht die Praxis im Zweifel mehr Köpfe für dieselbe Leistung. Das kostet Einarbeitung und Abstimmung. Dem steht der Aufwand gegenüber, den eine Kündigung auslöst: Stelle neu ausschreiben, Bewerbungen sichten, neue Kräfte einlernen. Rechnen Sie beides durch, bevor Sie sich festlegen. Eine einfache Tabelle mit Stuhlzeiten, Besetzung und Ausfallquote reicht für den Anfang.
Was sich für Patient*innen ändert
Patientinnen interessiert vor allem, ob sie zeitnah einen Termin bekommen. Die Öffnungszeiten können deshalb gleich bleiben, auch wenn das Team in Teilen anders arbeitet. Wichtig sind feste Ansprechpersonen am Empfang und eine klare Terminvergabe. Ein digitales Recall-System und Online-Termine entlasten das Team zusätzlich. Informieren Sie Ihre Patientinnen früh und in einfachen Worten über Änderungen. Gute Kommunikation verhindert Nachfragen und schützt das Vertrauen in die Zahnarztpraxis.
So gelingt die Einführung
- Team befragen: Wer wünscht sich welches Modell? Ein kurzes Gespräch oder eine anonyme Umfrage reicht.
- Stuhlzeiten analysieren: Wann sind die meisten Patient*innen da? Daran orientiert sich der Dienstplan.
- Pilotphase festlegen: Drei bis sechs Monate sind realistisch. Die Studien arbeiteten ebenfalls mit festen Testzeiträumen.
- Vertretung regeln: Klären Sie vorab, wer bei Ausfall übernimmt.
- Nach außen zeigen: Nennen Sie das Modell in der Stellenanzeige. Tipps dazu finden Sie im Beitrag Top-Talente gewinnen.
Und im Dentallabor?
Auch ein Dentallabor kann über Arbeitszeit punkten. Die Abläufe unterscheiden sich allerdings. Statt Patient*innentermine bestimmen Aufträge und Lieferfristen den Takt. Digitale Fertigung kann hier Zeit schaffen. Wie das gelingt, lesen Sie im Beitrag digitale Workflows im Dentallabor.
Fazit
Die Vier-Tage-Woche ist kein Allheilmittel. Sie ist aber ein wirksamer Hebel, um im Dentalbereich Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Der Erfolg hängt von Planung, Teamabsprache und klaren Regeln ab. Starten Sie klein, testen Sie Ihr Modell und werten Sie es gemeinsam mit dem Team aus.

